Welches Problem wurde adressiert?

Demenz ist eine Herausforderung der Zukunft. Alleine in Wien wird aktuell von 25.000 bis 30.000 Menschen mit einer Demenzerkrankung ausgegangen. In den Tageszentren des Fonds Soziales Wien erhalten SeniorInnen tageweise Pflege und Betreuung. In zwei Tageszentren liegt der Schwerpunkt auf der individuellen Betreuung von Menschen mit Demenz. Um niederschwellig für das Thema Demenz und Veränderungen im Alter zu sensibilisieren und Angehörigen und Interessierten Hilfestellungen und Ideen für den Umgang anzubieten, wurde der Erlebnisparcours „Perspektivenwechsel: Demenz“ ins Leben gerufen. Video der Stadt Wien zum Erlebnisparcours: https://www.facebook.com/watch/?v=747997532667307&extid=3rAcm4B5Cw9S6K2D

Was ist Ihre Lösung und weshalb ist sie innovativ?

Im Rahmen von Informationsveranstaltungen und Workshops für Interessierte, bei denen der Bedarf an individueller Unterstützung und Rückfragemöglichkeit ersichtlich wurde, entstand die Idee der Etablierung eines Demenzparcours. Anders als andernorts eingesetzte Demenzparcours, bildet der Erlebnisparcours der FSW-Tageszentren auch körperliche Einschränkungen ab, die mit hohem Alter einhergehen können (z.B.: Nachlassen der Feinmotorik, Sehschwächen) und setzt so zu einem früheren Zeitpunkt an. Zusätzlich werden Erscheinungen simuliert, die im Rahmen einer Demenzerkrankung auftreten können (z.B.: Verlust der Orientierung). Das ganzheitliche Verständnis wird zudem durch bereitgestelltes Informationsmaterial ermöglicht: Jeder Station sind Kärtchen beigelegt, die einerseits die Geschichte hinter der Station nachvollziehbar machen, andererseits die körperlichen Veränderungen erklären und auch mögliche (teils validative) Lösungsvorschläge anbieten. Unter Validation versteht man eine wertschätzende, nicht korrektive Kommunikationstechnik. Diese Vorschläge, wie konstruktiv mit herausfordernden Situationen umgegangen werden könnte, bieten Teilnehmenden einen zusätzlichen Mehrwert an und machen das Kernangebot in den Tageszentren verständlicher. Alle Inhalte entstanden in enger Zusammenarbeit mit den ExpertInnen des Tageszentrums Oriongasse mit Demenzschwerpunkt. Aufgrund der Einfachheit lässt sich der Parcours auch für Schulungen im Grätzel (z.B. Kaufleute, Polizei, etc) bzw. an Schulen durchführen und setzt (in Kombination mit theoretischer Wissensvermittlung) an der Intention des Projekts „demenzfreundliches Wien“ an.

Welche Hindernisse mussten Sie überwinden?

Die größte Herausforderung war es, aus den vielzähligen Alltagshürden von Menschen mit einer dementiellen Erkrankung die markantesten auszuwählen und diese in einer überschaubaren Anzahl an Stationen zu demonstrieren. Der Parcours ist kein vollständiges Abbild der Realität, sondern soll innerhalb eines kleinstmöglichen Zeitrahmens größtmögliche Erfahrung bieten. So ist der Parcours gut im Alltag einsetzbar und es bleibt genügend Zeit für anschließende Reflektionsgespräche mit den begleitenden ExpertInnen.

Wen haben Sie dabei einbezogen?

Federführend in der Gestaltung des Parcours waren die ExpertInnen des Tageszentrums Oriongasse unter Einbindung des Fachbereichs Pflege des FSW und der Demenzstrategie Österreich.

Was war das Ergebnis?

Der Parcours stellt die wichtigsten Alltagssituationen im Leben eines Menschen mit Demenz nach. Der Parcours wurde seit seiner Implementierung im Februar 2020 rund 100 Mal von Interessierten besucht.

Können Sie die Wirkung beschreiben, die Sie erzielt haben?

Die Erfahrung zeigt, dass durch Absolvieren der Stationen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Alter besser nachvollzogen werden können. Dies sensibilisiert das soziale Umfeld und gibt Impulse, die eigene Handlungsweise im Sinne der Betreuten zu hinterfragen und die Situation zu erleichtern.
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